Wusstest Du, dass verschiedene Formen von Diskriminierung häufig miteinander verschränkt sind?

Diese Verschränkung wird als Intersektionalität bezeichnet. Den Begriff hat die US-Juristin und Menschenrechtsaktivistin Kimberlé Crenshaw in den 90ern geprägt. In ihrem Essay „Mapping the Margins: Intersectionality, Identity Politics and Violence against Women of Color”, der 1991 erschienen ist, zeigt sie, dass  schwarze Frauen zum Beispiel vor Gericht nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen rassistischer Vorurteile der Richter*innen und der Jury benachteiligt werden (Crenshaw, 1991).

Kurz gesagt: Sexismus ist nicht immer gleich Sexismus und eine Diskriminierungsform kommt selten allein. Eine Person kann nicht nur wegen ihres Geschlechts benachteiligt, sondern auch wegen anderer Merkmale, wie z.B. sexuelle Orientierung, Herkunft, der sozioökonomische Hintergrund und Behinderungen und chronische Erkrankungen.

Das wurde auch statistisch belegt:

Eine Studie  des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) der Bundesregierung zeigt, dass schwarze Frauen in Deutschland am häufigsten von Rassismus betroffen sind (19%) (NaDiRa, 2023). Das Phänomen, das auch „Gendered Racism“ genannt wird, führt dazu, dass migrantisch-gelesene Frauen oft z.B. als weniger kompetent eingestuft werden und seltener in gut-bezahlte Jobs kommen (NaDiRa, 2022).

Auch an Universitäten ist Mehrfachdiskriminierung ein Thema: Die europaweite Unisafe-Studie (2022) hat ergeben, dass im Schnitt 62 Prozent der befragten Studierenden bereits Diskriminierung erfahren haben. Am stärksten waren  LGBTQIA*-Studierende (68%), Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen (72%) und Studierende, die einer ethnischen Minderheit angehören (69%) betroffen.

Um Diversität und Antidiskriminierung konsequent zu denken und zu fördern, müssen wir Sexismus als Teil einer Verkettung von anderen Benachteiligungskategorien betrachten. Denn die Perspektiven und Erfahrungen an der RUB sind genauso vielfältig wie unser Campus selbst. Leider wird das nicht immer sichtbar und es gibt nicht immer genug Raum, um unterschiedliche Positionen ausdrücken zu können. Lasst uns das gemeinsam ändern, indem wir uns an unserem Campus intersektional sensibilisieren! Zum Beispiel könnt ihr an Veranstaltungen oder Workshops zum Thema teilnehmen. Die gibt es auch uniintern, zum Beispiel bei der Antidiskriminierungsstelle, beim Gleichstellungsbüro, den Gender Studies oder beim autonomen queerfeministischen Referat des ASTA. Spannende Bücher und Fachzeitschriften über Feminismus, FrauenLesbenbewegung, Frauen*forschung, feministische Theorie, lesbische Theorie, Gender Studies, Queer Theorie, Postkoloniale Theorie und vieles mehr findet ihr in der LIESELLE – Queer*feministische Bibliothek und Archiv der RUB.

Quellen:

Ateş, M., Bouaoud, K., Freitag, N., Gahein-Sama, M. M., Gangarova, T., Ionescu, C., … & Yildiz, M. (2023). Rassismus und seine Symptome. Bericht des Nationalen Diskriminierungs-und Rassismusmonitors.

Crenshaw, K. W. (2013). Mapping the margins: Intersectionality, identity politics, and violence against women of color. In The public nature of private violence (pp. 93-118). Routledge.

Lipinsky, A., Schredl, C., Baumann, H., Humbert, A., Tanwar, J. (2022). Gender-based violence and its consequences in European Academia, Summary results from the UniSAFEsurvey. Report, November 2022. UniSAFE project no.101006261.

Menke, K., & Wernerus, C. (2022). Geschlechtsspezifischer Rassismus am deutschen Arbeitsmarkt?: qualitative Forschungsergebnisse sexistisch-rassifizierter Adressierungen fluchtmigrierter Musliminnen und schwarzer Frauen. Deutsches Zentrum für Integrations-und Migrationsforschung DeZIM eV.,